Xaver Paul Thoma: III. Kammersymphonie Opus 186 (xpt) Partitur
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Xaver Paul Thoma

III. Kammersymphonie Opus 186 (xpt) (2017/2018) (Partitur)

Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart

Das Orchestermaterial zur III. Kammersymphonie ist auf Anfrage bei uns als Leihmaterial erhältlich

 

Komponist / Autor: Xaver Paul Thoma (geb. 1953)
Titel:
III. Kammersymphonie Opus 186 (xpt) (2017/2018)
Besetzung: Piccolo-Flöte, Oboe, Heckelphon, Bassklarinette (und Kontrabass-Klarinette), Kontra-Fagott, 2 Hörner, Alt-Posaune, Cimbasso, Schlagzeug verschied. (2 SpielerInnen), Viola d’more, Blockflöte in C (und Sopranino), Gitarre, Cembalo, 1 Bratsche, 1 Violoncello, 1 Kontrabass (5 Saiten)
Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart – „425 Jahre Staatsorchester Stuttgart“
Vorwort: Xaver Paul Thoma
Herausgeber: Roland Heuer
Ausgabe Art: Partitur
Ausgabe: Erstausgabe / First Edition / Printed in Germany
UA: 23. Mai 2018, Liederhalle Stuttgart, Mozartsaal
Dauer: ca. 30 Min.
Schwierigkeit: mittel – anspruchsvoll
Veröffentlicht: 2018
Seitenzahl/Format: 87 S. / 24,0 x 32,0 cm / Klebebindung
Sprache: deutsch
Verlag: IKURO Edition

 

Beschreibung / Vorwort

Xaver Paul Thoma – III. Kammersymphonie, Opus 186 (xpt) (2017/18)

Meine drei Kammersymphonien sind jeweils eng mit einem bestimmten Ort und Auftrag verknüpft.

1978 war ich als Bratschist Mitglied der Badischen Staatskapelle Karlsruhe. Meine I. Kammersymphonie Opus 16 (1978) entstand im Auftrag für die Konzertreihe „Neue Musik“ im Karlsruher Schloss, und wurde von meinen damaligen Orchesterkollegen am 13. Oktober 1978 uraufgeführt. Die Leitung hatte Frithjof Haas. 

Die II. Kammersymphonie Opus 76 (1988/1989) verdankt ihre Entstehung einem geplanten Komponistenportrait im DZzM (Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik). Dieses Institut wurde von dem Dresdner Komponisten Udo Zimmermann geleitet und hat sich seinerzeit darum bemüht, die Musikszene der DDR und der BRD möglichst eng zu verknüpfen. Die Uraufführung der II. Kammersymphonie Opus 76 (xpt) erfolgte am 28. Oktober 1989 in einem Portraitkonzert mit drei weiteren Kammermusikwerken von mir. Das Ensemble des DZzM dirigierte Jürgen Wirrmann. 

Rund 28 Jahre später saß ich in Stuttgart mit dem Dramaturgen Rafael Rennicke zusammen, und er erläuterte mir seine Ideen zu den geplanten Jubiläumskonzerten „425 Jahre Staatsorchester Stuttgart“ im Jahre 2018. Mein Vorschlag zu einer III. Kammersymphonie entwickelte sich schließlich dahingehend, dass in Form von Zitaten möglichst viele der mit diesem Orchester arbeitenden Dirigenten und Komponisten in der entstehenden Partitur berücksichtigt werden. 

Nachdem ich mich genauer mit der Geschichte des Orchesters und des Stuttgarter Musiklebens beschäftigt hatte, vergrößerte sich die Liste der für mich interessanten Personen allerdings so stark, dass ich sie erst einmal drastisch kürzte. 

Nachfolgend die in meiner III. Kammersymphonie zitierten Komponisten und Ihre Werke: 

Meine musikalische Reise beginnt mit Niccolo Jommelli (1714 – 1774). Als Jomelli 1753 als Oberkapellmeister an den württembergischen Hof berufen wurde, waren seine Opern und auch kirchenmusikalischen Werke schon in ganz Europa verbreitet. Jomelli war bis 1770 in württembergischen Diensten und führte die Hofkapelle von Stuttgart und Ludwigsburg an die Spitze der damaligen europäischen Orchester. Jommellis Chaconne in Es-Dur aus seiner „Periodical Overture für Orchester“ erscheint als Zitat in meiner Kammersinfonie ab Takt 3, transponiert nach E, begrenzt auf eine Hälfte des Themas. Ein weiteres Motiv tritt im Takt 18 in Blockflöte und Piccolo hinzu, sowie im Takt 35 im Cembalo. Dies als kleinen Hinweis für eine eventuelle Spurensuche. 

Peter Joseph von Lindpaintner (1791 – 1856) wirkte von 1819 bis 1856 als Hofkapellmeister in Stuttgart. Aus seiner „Sinfonie concertante“ op. 36 für 5 Solo-Bläser und Orchester werden aus dem I. Satz verschiedene Motive zitiert (ab Takt 56), der II. Satz erscheint bei Takt 71.

Bernhard Molique (1802 – 1869) war einer der bedeutendsten Geiger seiner Zeit. Er wirkte unter Lindpaintner von 1826 bis 1849 als Konzertmeister der Stuttgarter Hofkapelle. Mit Motiven aus seinem „Concertino“ für Oboe und Orchester in g-Moll meldet sich Bernhard Molique ab Takt 93.

Dann geht die musikalische Reise wieder um ein paar Jahre zurück: wir treffen Carl Maria von Weber (1786 – 1826). Dieser wurde im August 1807 von dem in Stuttgart/Ludwigsburg residierenden Herzog Louis von Württemberg (1756 – 1817) zum Geheimen Sekretär berufen. Diese Tätigkeit endete allerdings Anfang 1810 etwas unrühmlich in einer Haftanstalt. In seinen Stuttgarter Jahren hat Weber sehr intensiv komponiert, unter anderem von 1808 bis 1810 die Oper „Silvana“. Die „Arie der Mechthild“ wurde später aus der Partitur dieser Oper ausgegliedert und umgearbeitet als „7 Variationen für Klarinette und Klavier“ unter der Opuszahl 33 veröffentlicht. Dieses Werk diente mir als Anregung, und die Melodie taucht zuerst im Kontrabass auf, zwei Takte später übernimmt das Glockenspiel (ab Takt 119). 

Hector Berlioz (1803 – 1869) kam 1843, anlässlich einer Konzertreise durch Deutschland, auch nach Stuttgart und führte dort mit dem Hoforchester unter anderem seine „Symphonie fantastique“ Opus 14 auf. In seinen Memoiren beschreibt er dies enthusiastisch und ausführlich: „…Das Stuttgarter Orchester ist jung und voll Kraft und Feuer…“ (Zitate aus der „Symphonie fantastique“ ab Takt 156).

Ignaz Brüll (1846 – 1907), Pianist und Komponist, gehört heute eher zu den großen Unbekannten. Zu Lebzeiten war er besonders als Liedbegleiter berühmt. Viele Jahre in Wien lebend, zählte er sich zum Freundeskreis um Johannes Brahms. In Stuttgart erklang seine „Erste Serenade für Orchester“ op. 29 im Jahre 1866 mit großem Erfolg. In meiner Partitur zeigt er sich mit Motiven aus seinem Opus 45: „Thema mit Variationen für das Pianoforte“. Besonders deutlich beschäftigt sich die Alt-Posaune damit. (Ab Takt 188).

Zwei Jahre nach der Stuttgarter Aufführung der Brüll’schen Serenade wurde Max von Schillings (1868 – 1933) geboren. Als Kapellmeister stand er von 1908 bis 1918 an der Spitze des Stuttgarter Hofopernorchesters. Diese 10 Jahre haben sich stark in die württembergische Musikgeschichte eingeprägt. Als Komponist sehr erfolgreich, hinterließ Schillings ein umfassendes Oeuvre. 1915 erlebte die Oper „Mona Lisa“ op. 31 in Stuttgart ihre stark beachtete Uraufführung. Motive aus dieser Oper sind ab Takt 263 zu entdecken, zum Beispiel im Heckelphon.

Am 30. April 1864 reiste Richard Wagner (1813 – 1883) von Zürich nach Stuttgart. Er war – wie so oft – einerseits auf der Flucht vor Gläubigern, andererseits auf der Suche nach geeigneten Sängern und Sponsoren für sein kompositorisches Werk. Aktuell arbeitete er damals an der Partitur zur Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Auf der Suche nach Richard Wagner war auch Herr Pfistermeier, der Kabinettssekretär S.M. des Königs von Bayern. Immer knapp verfehlt – und nach einigem Versteckspiel in Stuttgart, kamen die beiden dann doch zusammen, um anderntags die Reise nach München anzutreten. Wie das Zusammentreffen mit dem bayerischen König Ludwig II. das weitere Leben Richard Wagners positiv beeinflusste, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Nachdem sich die finanzielle Sorge unverhofft so entspannt hatte, sieht man Richard Wagner in der zweiten Maihälfte 1864 wieder intensiv an den „Meistersingern“ arbeiten. (Ab Takt 292, Kalimba, Gitarre, Xylophon).

Der Konzertmeister Carl Wendling (1875 – 1962) gehörte von 1903 bis 1920 der Stuttgarter Hofkapelle an. Ferner war er Primarius des berühmten Wendling-Quartetts, und sehr aktiv als Solist und Lehrer tätig. Zwischen ihm und Max Reger (1873 – 1916) bestand eine enge Künstlerfreundschaft. Reger hat ihm mehrere Werke gewidmet, unter anderem die Solo-Sonate a-moll op. 91/1 für Violine, sowie sein letztes vollendetes Werk, das Klarinetten-Quintett Opus 146, dessen Uraufführung am 6. November 1916 (nach Regers Tod) in Stuttgart stattfand. Die Interpreten waren das Wendling-Quartett und Philipp Dreisbach, Klarinette. Das Thema des 4. Satzes aus Regers Solosonate op. 91/1 wird im Takt 362 zitiert (Hörner). 

Jetzt folgt ein größerer Sprung von ca. 40 Jahren in das Jahr 1955. In diesem Jahr schrieb Hans Werner Henze (1926–2012) seine 4. Sinfonie, für die er Material aus dem Finale des 2. Aktes seiner Oper „König Hirsch“ benutzt. Die Uraufführung der Urfassung von „König Hirsch“ fand (erst) am 5. Mai 1985 in der Staatsoper Stuttgart unter der Leitung von Dennis Russel Davies statt. (Motivteile ab Takt 402).

Alle diese Zitate der älteren Komponistenkollegen sind eingebunden in meine eigene musikalische Welt, einiges ist sehr offen zu vernehmen, anderes auch versteckt in die musikalische Textur eingearbeitet.

Xaver Paul Thoma, im April 2018

UA am 23. Mai 2018, Liederhalle Stuttgart, Mozartsaal

Beatrix Meyer-Bode – Piccolo-Flöte, Ivan Danko – Oboe, Katrin Stüble – Heckelphon, Stefanie Faber – Bassklarinette / Kontrabass-Klarinette, Jürgen Fenner – Kontra-Fagott, Philipp Römer und Nadja Helble – Horn, Reinhard Riedel – Alt-Posaune, Thomas Brunmayr – Cimbasso, Thomas Höfs und Christoph Wiedmann – Schlagzeug, Robin Porta – Viola d’amore, Daniela Schüler – Blockflöte, Stefan Koch-Roos – Gitarre, Alan Hamilton – Cembalo, Bertram Jung – Bratsche, Michael Groß – Violoncello, Manuel Schattel – Kontrabass

Musikalische Leitung: Kristina Šibenik

Bestell-Nr.:

IKURO 171106

Partitur (45,- €  inkl. gesetzlicher MwSt.)


ISMN: 979-0-50317-128-4
Das Orchestermaterial zur III. Kammersymphonie ist auf Anfrage bei uns als Leihmaterial erhältlich

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